Geschichte

Völkerschlachtdenkmal (© Elisabeth Werner)

Vor tausend und einem Jahr wurde Leipzig geschichtlich erstmals erwähnt und ist seitdem weltweit in aller Munde: ob als Buch-, Bach- oder Messestadt, Klein-Paris, Ort der Völkerschlacht gegen Napoleon, als Heldenstadt (und damit Herzstück) der friedlichen Revolution im Herbst 1989, als Billig-Berlin, Likezig oder Hypezig, als Geburtsstätte der wissenschaftlichen Psychologie oder oder oder... - Hier erfahren Sie mehr über verschiedene Phasen in der Geschichte unserer Stadt und die historischen Wurzeln des heutigen LeiPsychs.

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Geschichte der Psychologie in Leipzig

» vor 1875

» 1875-1919 (Wilhelm Wundt)

» seit 1919

 

vor 1875

Die Tradition der Psychologie in Leipzig lässt sich weit zurückverfolgen: Mit Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), Christian Thomasius (1655-1728) und Christian Wolff (1679-1754) lehrten drei der wesentlichen Begründer der deutschen Psychologie an der Leipziger Universität. Thomasius bestimmte dabei maßgeblich die neue psychologische Lehre, indem er als Erster Vorlesungen über praktische Psychologie auf Deutsch hielt, anstatt weiterhin auf Latein aristotelische Schriften zu interpretieren. (Seine erste deutsche Vorlesung handelte von Balthasar Gracians Hand-Orakel.)

Dank der verschiedenen Vertreter der philosophischen, medizinischen und juristischen Fakultät der Leipziger Universität wurde von Beginn an ein empirischer Ansatz mit interdisziplinären Einflüssen verfolgt. So war Ernst Platner (1744-1818) als Arzt und Philosoph beispielsweise davon überzeugt, dass es folgende drei Wissensbereiche zur Erkenntnis des Menschen gäbe: Anatomie und Physiologie für den Körper, Psychologie für die Kräfte und Eigenschaften der Seele und Anthropologie zur Untersuchung des Verhältnisses von Körper und Seele. Seiner Arbeit verdankt die Psychologie zahlreiche Beobachtungen zu psychophysischen Wechselwirkungen und die Anwendung physiologischer Erkenntnisse auf psychische Phänomene. Der Philosoph Friedrich August Carus (1770-1807) erarbeitete derweil ein System der Psychologie, das aus Universal-, Spezial- und Individualpsychologie bestand. Und der Mathematiker und Philosoph Moritz Wilhelm Drobisch (1802-1896) beschäftigte sich zeitlebens damit, Psychisches – insbesondere Veränderungen und Bewegungen – mathematisch zu beschreiben. 

Als unmittelbarer Wegbereiter – und laut Wilhelm Wundt gar „Vater der experimentellen Psychologie“ – galt wiederum der Mediziner Ernst Heinrich Weber (1795-1878): Er entdeckte in seinen vielfältigen Untersuchungen die Konstanz der Unterschiedsschwelle, also das sogenannte Webersche Gesetz, welches bis heute zum Grundwissen psychologischer Lehre und Forschung gehört. Den experimental-psychologischen Zusammenhang von Reiz und Empfindung untersuchte auch Gustav Theodor Fechner (1801-1887), der 1850 die Idee des späteren Weber-Fechnerschen Gesetzes formulierte. Mit seinen umfangreichen Datensammlungen und Methoden wie beispielsweise der „Methode der mittleren Fehler“ begründete er nebenbei die Statistik und Wahrscheinlichkeitstheorie. Seine Schrift „Elemente der Psychophysik“verliehen der Psychologie somit die neue Qualität als eine empirische Wissenschaft.

 

1875-1919 (Wilhelm Wundt)

Die wichtigsten Fortschritte verdankt die Psychologie als eigenständige Wissenschaft dem Mediziner Wilhelm Maximilian Wundt (1832-1920). Dieser veröffentlichte 1874 mit „Grundzüge der Physiologischen Psychologie“ zunächst das erste Lehrbuch der experimentellen Psychologie. Ab 1875 teilte er sich dann mit dem Philosophen Max Heinze (1835-1909) den Philosophie-Lehrstuhl an der Leipziger Universität und gründete dort 1879 das erste Institut für experimentelle Psychologie. Er forderte für die Psychologie als Wissenschaft zum einen „die Erweiterung der bisherigen Beobachtermethode“ (als völkerpsychologische Methode angewandt), zum anderen „die Anwendung des Experimentes“. Wenngleich seine völkerpsychologische Forschung kaum fruchtete, trat die experimentelle Psychologie von Leipzig auseinen unaufhaltsamen, unumkehrbaren Siegeszug an.

Wilhelm Wundt und Mitarbeiter, um 1908;

von links: Ottmar Dittrich, Wilhelm Wirth,
Wilhelm Wundt, Otto Klemm, Friedrich Sander

Die Aufforderung Wundts, nicht bloß über Psychisches zu spekulieren, sondern einfache psychische Vorgänge zu untersuchen, fand sofort Anhänger und Teilnehmer. Gemeinsam untersuchte man unterschiedlichste Fragestellungen und entwickelte oder verbesserte Apparaturen und Versuchsabläufe. Die Apparate stellte Wundt zunächst aus seinem Privatbestand zur Verfügung. Als langjährige Assistenten Wundts haben die Arbeit im Leipziger Institut u.a. entscheidend mitgeprägt: August Kirschmann (1860 –1932), Oswald Külpe (1862–1915), Ernst Meumann  (1862-1915), Wilhelm Wirth (1876-1952) und Otto Klemm (1884-1939).

– Kurz gesagt: Man kam nach Leipzig zu Wundt, nahm seine Ideen einer neuen Psychologie auf und traf eine Gruppe junger, engagierter und kreativer Enthusiasten aus aller Welt.

 

seit 1919

Die zweite Leipziger Schule lief unter Felix Krueger (1874-1948), einem der bekanntesten Vertreter der Leipziger Ganzheitspsychologie. Wundt hatte ihn kurz vor seinem Ruhestand 1917 eigens als seinen Nachfolger vorgeschlagen – in der Hoffnung, dieser werde die Wundtschen Richtungen der experimentellen und der Völkerpsychologie weiter verfolgen. Neben Psychotechnik, Entwicklungspsychologie und Methodenentwicklung wurden unter Kruegers Leitung vorrangig Gefühlsprozesse zum neuen zentralen Forschungsthema des Instituts.

1952 wurde Ernst Struck (1890–1954) berufen. Mit ihm begannen pädagogisch-psychologische und arbeitspsychologische Forschungen mit einer konkreten gesellschaftlichen Zielstellung. Man war sich der Bedeutung des Leipziger Instituts nämlich durchaus bewusst - es sollte „zum Schwerpunkt der Psychologie in der DDR ausgebildet werden“. Nach Strucks Tod 1954 übernahm Werner Fischel (1900-1977) das Direktorat des Instituts. Dessen primäres Interesse lag in der tierpsychologischen Forschung, später auch in der Human- und der vergleichenden Psychologie. Um den Anforderungen aus Industrie, Pädagogik und Medizin Rechnung zu tragen, entstanden unter seiner Leitung auch Forschungsabteilungen zur Arbeitspsychologie, Diagnostik und Pädagogischen Psychologie sowie Kooperationen mit medizinischen Einrichtungen der Universität.

Nach Fischels Emeritierung im Jahr 1965 wurde das Ausbildungs- und Forschungsprofil des Instituts auf Pädagogische Psychologie eingeengt. Im Zuge der III. Hochschulreform der DDR von 1968 wurde das Psychologische Institut „Wilhelm Wundt“ zu einem Fachbereich der Sektion Pädagogik/Wissenschaftsbereich Psychologie. Erst 1975 wurde – mit Besinnung auf die große Tradition und die daraus erwachsende internationale Bedeutung – die Sektion Psychologie „Wilhelm Wundt“ als eine wieder eigenständige Institution gegründet und diese mit einem umfangreichen Profil aus zahlreichen forschungsbezogenen Arbeitsgruppen ausgestattet: Es etablierten sich Allgemeine Psychologie I mit Schwerpunkt Wahrnehmungspsychologie, Allgemeine Psychologie II mit Schwerpunkt Gedächtnis und Methodik, Psychologische Diagnostik, Persönlichkeitspsychologie und Sozialpsychologie, Psychomotorik in Kooperation mit dem Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport, Arbeits- und Ingenieurpsychologie, Geschichte der Psychologie, Klinische Psychologie, Entwicklungspsychologie, Lernpsychologie und Psychologie der Lehrerpersönlichkeit und Lehrertätigkeit. Höhepunkte der Traditionspflege waren 1979 die 100-Jahrfeier des Instituts und 1980 der 22.Internationale Kongress für Psychologie in Leipzig – ein Treffen der Psychologen aus aller Welt am Gründungsort des ersten psychologischen Instituts durch Wilhelm Wundt! Dies ermöglichte den DDR-Psychologen die bislang weitgehend verwehrt gebliebene internationale Kontaktaufnahme und Präsentation ihrer Forschungsprojekte und -ergebnisse. Und mit dieser internationalen Bedeutung erhielt das Leipziger Institut auch national einen neuen Stellenwert: Ausbildung wie Forschung wurden in kürzester Zeit erweitert und der Ausbau weiterer Wissenschaftsbereiche gefördert.

Nach der Wende wurde die Psychologie in Leipzig zunehmend auch durch die Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften geprägt, welches die kognitiven Fähigkeiten und Gehirnprozesse beim Menschen erforscht. Besondere inhaltliche Schwerpunkte bilden dabei die Bereiche Sprache, Musik und Handlung.

Quelle: Frau Dr. A. Meischner-Metge

 

Beitrag zur Ausstellung über die Geschichte der Psychologie in Leipzig
(mit einem Interview von mephisto 97.6 mit Herrn Prof. Dr. Erich Schröger)

 

Geschichte der Stadt Leipzig

(© Leipzig Info)

» Urbs Lipzi

» Leipziger Messe

» Völkerschlacht bei Leipzig

» Leipzig zu DDR-Zeiten

» Friedliche Revolution im Herbst ´89

» 1001 Jahre: Mein Leipzig

 

Urbs Lipzi

(© Deutsche Post AG)

Auf einer Urkunde aus dem Jahr 1015 steht, der Bischof von Meißen sei in urbe Lipzi vocatur gestorben. Dieser erste schriftliche Beleg unserer Stadt wurde im vergangenen Jahr groß gefeiert. Die offizielle Gründung war allerdings erst 150 Jahre später, als Lipsia im Jahr 1165 vom Markgrafen Otto von Meißen das Stadtrecht und das Marktrecht erteilt bekam. 

Schon gewusst?!

 Der Name der Stadt wird auf das altsorbische Wort lipa = „Linde“ zurückgeführt
und bedeutet „Ort bei den Linden“. Die Linde ist bis heute der häufigste Straßenbaum.

 

Und der Markgraf tat gut daran: Für Handel, Wirtschaft und Verkehr war diese Stadt sehr günstig gelegen. Auf dem Markt kreuzten sich wichtige europäische Herr- und Handelsstraßen wie z.B. die Via regia und die Via imperii. Seit jeher trafen sich hier weitgereiste Kaufleute, um Waren und Informationen untereinander auszutauschen.

 

Leipziger Messe

Die Stadt Leipzig ist eine der ältesten Messeplätze der Welt. Ab dem Jahr 1190 fanden zweimal jährlich große Jahrmärkte statt und ab 1218 ließen sich die ersten urkundlich benannten Kaufleute und Handwerker in Leipzig nieder. Danach entwickelte sich die Stadt schnell zum führenden deutschen Messeplatz mit internationaler Bedeutung. Am 20. Dezember 1937 wurde sie offiziell in Reichsmessestadt Leipzig umbenannt.


Altes Gelände (1913-1996) - Doppel-M (Logo der Messe) - Neues Gelände (seit 1996)

 

Völkerschlacht bei Leipzig

© Elisabeth Werner

Vom 16. bis 19. Oktober 1813 kam es bei Leipzig zur Entscheidungsschlacht der Befreiungskriege: Die zahlenmäßig überlegenen Heere Österreichs, Preußens, Russlands und Schwedens besiegten Napoleons Truppen und dessen Alliierte, welche sich über den Rhein aus Deutschland zurückziehen mussten. Von den rund 600.000 beteiligten Soldaten aus über zwanzig Völkern wurden 100.000 getötet oder verwundet.

Zum 100. Jahrestag wurde das 91 m hohe Völkerschlachtdenkmal als größtes Geschichtsdenkmal Europas geweiht. Es steht in der Nähe des Gebietes, in dem die heftigsten Kämpfe stattfanden und die meisten Soldaten fielen. Im Wasser des vorgelagerten „Sees der Tränen um die gefallenen Soldaten“ spiegelt sich das Denkmal so, dass ein Kreuz entsteht. Von der Aussichtsplattform aus hat man einen beeindruckenden Panoramablick auf die Stadt und seine Umgebung.

 

Leipzig zu DDR-Zeiten

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die wirtschaftliche Bedeutung Leipzigs infolge seiner Lage in der Sowjetischen Besatzungszone bzw. DDR stark zurück. Von 1952 bis 1990 war Leipzig die Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks und zweitgrößte Stadt der DDR. Noch heute kann man an einigen Orten in der Stadt echten DDR-Charme genießen:

Eisdiele Pfeifer
(© Verborgenes Leipzig)

Die Gaststätte Kollektiv (Karl-Liebknecht-Straße 72) ist ein im DDR-Stil gehaltenes „Ostalgie-Restaurant“, das seine Hausmannskost mit dem Spruch „Iss` wie früher!“ bewirbt. Ein paar Häuser weiter bekommt man in der DDR-Eisdiele Pfeifer (Kochstraße 20) hausgemachtes Eis in der traditionellen Basisauswahl Vanille, Schoko und Erdbeer im DDR-Geschirr. Und die Feinbäckerei Lotzmann (Karl-Liebknecht-Straße 71) backt seine Brötchen noch ganz wie früher! Sonstige Ostprodukte, die das Herz begehrt, kann man im Ossiladen (Brühl 1 und in der Eutritzscher Straße 22d) oder im Allerlei-Ostprodukte (Nikolaistraße 39) erwerben.

In der Leipziger Südvorstadt befindet sich die ehemalige zentrale Hinrichtungsstätte der DDR (Arndtstraße 48). In den abgetrennten Räumen der Strafvollzugseinrichtung wurden von 1960 bis 1981 alle in der DDR verhängten Todesurteile zentral vollstreckt. Keiner der Hingerichteten hatte ein rechtsstaatliches Verfahren erhalten.

Runde Ecke (© Susanne Relke)

Im Gebäude der ehemaligen Leipziger Bezirksverwaltung für Staatssicherheit befindet sich heute die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ (Dittrichring 24). In den ehemaligen Büros der Stasi-Offiziere können sich nun Besucher über Funktion, Arbeitsweisen und Geschichte des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) informieren.

Weitere DDR-Stationen in Leipzig finden Sie unter
Führungen & Ausflüge.

 

Friedliche Revolution im Herbst ´89

Nikolaikirche
(© Elisabeth Werner)

Im Herbst 1989 wurde Leipzig in Anlehnung an das sowjetische Beispiel als Heldenstadt bezeichnet: Die von der Nikolaikirche ausgehenden Montagsdemonstrationen gaben einen entscheidenden Impuls für die Wende in der DDR. Da Gewalt gegen die staatliche Ordnungsmacht und Zerstörungen von den DDR-Behörden propagandistisch ausgenutzt wurden, fanden die Leipziger Demonstrationen unter der Losung „Keine Gewalt“ statt.

Montagsdemonstration
(© Spiegel)

Die informelle Auszeichnung für den so mutigen wie friedlichen Einsatz vieler Leipziger Bürger prägten den Ruf der Stadt nach der Wende und wird beim Stadtmarketing mit dem Slogan „Leipziger Freiheit“ ausgegriffen.
Eine Zusammenfassung aller Abschnitte, die von der Stadt Leipzig im Herbst `89 über die Montagsdemonstrationen dokumentiert worden sind, finden Sie hier:

Auszüge aus der Stadtarchiv-Chronik von 1989

 

1001 Jahre: Mein Leipzig

Nach der Wende erlebte Leipzig zwar zunächst einen extremen Bevölkerungsschwund, doch seit 2005 leben in der Stadt wieder über ein halbe Million Einwohner. Tendenz: absolut steigend. Denn ob als Messestadt, Buchstadt, Universitätsstadt, Bachstadt, Heldenstadt, Klein-Paris, Billig-Berlin, „Hypezig“ oder „Likezig“: Leipzig ist in aller Munde.

Schon gewusst?!

Mit einem Zuwachs von bis zu 17.000 Einwohnern im Jahr ist Leipzig weiterhin die am schnellsten wachsende Großstadt und seit 2015 die zehntgrößte Stadt Deutschlands.

 

Im Jahr 2008 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.
- Und das zu Recht! Sehen Sie selbst:

 

Links

Allerlei-Ostprodukte - Der Ostalgie-Ossliaden

Förderverein Völkerschlachtdenkmal e.V.

Gaststätte Kollektiv

Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke" Leipzig

Geschichte der Psychologie an der Universität Leipzig

Interview mit den Machern des Mein-Leipzig-Imagefilms

Leipziger Messe

Ossiladen - Shop und Kultbörse für Ostprodukte

Stadtchronik der Stadt Leipzig

Stadt Leipzig

 

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